
Ein wenig später nur, die Sonne schien rötlich schimmernd über den Dächern von Lashtora und läutete den Abend ein, schlich eine andere Gestalt auf das Dach, auf dem vor kurzem noch ein Mädchen und ein Kater gehockt hatten. Sie näherte sich vorsichtig und zögernd der Stelle, an der Toya gesessen hatte.
Die Nase in die Luft streckend, versuchte sie Witterung aufzunehmen. Aber erfolglos, die beiden waren weg. Der Grashalm, der ihr im Mundwinkel hing, zuckte beim Schnüffeln munter auf und ab. Hier war sie nicht mehr, das wüsste er. Missmutig machte sich der Junge, der aus der Nähe aussah, wie eine Mischung aus Mensch und Elf, auf den Weg hinab. Nur nahm er nicht den Weg, den Toya und Lucious genommen hatten. Behände und eine Spur zu abenteuerlustig sprang er einfach auf das Dach nebenan, und wäre fast ins Straucheln geraten, als es ihm doch gelingen wollte, sich zu fangen um im nächsten Moment geschickt ein Regenfallrohr als Leiter auf dem Weg hinab zu nehmen. Unten angekommen wartete schon Drago, sein Begleiter.
Und so schlenderten sie langsam die Häuser entlang, wissend, dass nun bald die Dunkelheit kommen würde, und man sich nicht erwischen lassen durfte, sich zu solch später Zeit noch draußen aufzuhalten. Seit dem Verschwinden der Kinder gab es eine strikte Ausgangssperre, die besagte, das es allen Kindern und Jugendlichen untersagt war, nach Einbruch der Dunkelheit noch an der frischen Luft zu sein. Zu groß war die Angst der Erwachsenen. Und damit hatten sie recht. Also machte sich Tobey auf den Weg nach Hause.
Die Prügel, die ihm sein Vater angedroht hatte, war allerdings nicht der Grund. Denn es blieb meist nur bei den Drohungen seines Vaters. Seines Vaters? Na ja...eigentlich war Tobias ja nicht sein richtiger Vater. Tobias hatte Tobey kurz nach dessen Geburt gefunden. Eingewickelt in einen großen braunen Filzlappen, aus dem Hüte gemacht wurden, lag die kleine wimmernde Gestalt strampelnd an einer Brücke. Nicht viel hätte gefehlt, und eine nahende Kutsche hätte dem kleinen Bündel den Garaus gemacht. Tobias nahm das kleine, nun deutlich lauter werdende Wesen kurzerhand an sich und machte sich auf den Weg nach Hause.
Dort angekommen legte er es behutsam auf das Bett. Lillith, Tobias Frau, kam hinzu und lugte staunend hinein. Er hatte sofort auch das Herz von Lillith Trimm gewonnen. Tobias hatte er schon während des Nachhauseweges in seinen Bann gezogen, was nicht wirklich verwunderlich war. Fragend blickte sie ihren Mann an und ein kurzer Wortwechsel beider reichte aus, um zu klären, das, für den Fall das kein Familienangehöriger dieses kleinen Knaben zu finden sei, er nun bei ihnen bliebe und als Sohn in die Familie aufgenommen werden solle. Die Verbindung von Tobias und Lilliths war kinderlos geblieben, sehr zum Bedauern beider. Von daher war es beiden nur recht. Und da sowohl Tobias als auch Lillith, zwar guten Herzens aber doch recht einfach und zudem nicht sonderlich gebildet waren, entschieden sie sich, ihm den Namen in Anlehnung des neuen Vaters zu geben:Tobey. Nicht sehr einfallsreich, aber gut. Damit war alles gesagt, und genauso kam es. Bereits zwei Wochen später wurde dem Paar mitgeteilt, das es keinerlei Hinweise über den Verbleib der leiblichen Eltern des Knaben gäbe, und man es gut hieße, wenn Tobey bei den Trimms bliebe.
So wäre allen Seiten vortrefflich gedient. Glücklich über den nun gesicherten Familienzuwachs, zogen die beiden nun den Jungen auf, als wäre er ihr eigener. Im Laufe des Heranwachsens zeigte sich immer deutlicher, das der Junge nicht "normal" war. Mal abgesehen von seinen Gesichtszügen, die eher denen eines Elfs ähnelten, hatte der Junge auch ein besonderes Gespür für die absonderlichsten Begebenheiten, was seinem Vater überaus dienlich war. Tobey konnte manchmal, und auch meist nur kurz vorher, voraussagen, wenn etwas Unvorhergesehenes passierte. Es waren kleine Eingebungen, die so manches Missgeschick verhindern konnten. Wie zum Beispiel das Auftreten eines plötzlichen Windes, der die Fensterläden zu schließen drohte, und dabei eine Vase zerdeppert hätte.
Auch war sie nützlich, wenn er später mit seinem Vater hinausfuhr, um Fische zu fangen. Ganz spontan einer Eingebung folgend sagte Tobey seinem Vater, wo gerade der beste Fang zu machen sei. Anfangs hatte Tobias gedacht, sein Sohn prahle lediglich, und versuchte sich wichtig zu tun. Doch im Laufe der Zeit wusste auch Tobias den Nutzen aus der Gabe seines Knaben zu ziehen, was der Familie den Unterhalt sicherte, und ihnen ermöglichte Tobey auf die Schule zu schicken.
Es waren viele kleine Eigenheiten, die immer wieder daran erinnerten, das Tobey womöglich kein reinrassiger Mensch war, sondern zum Teil dem alten Geschlecht derer aus den Bergen entstammen musste, denen ebensolche Gaben nachgesagt wurden. Die Blitzer. Egal, wie oft und viel seine Haut der Sonne ausgesetzt war, nie hatte der Junge eine vom Wetter gefärbte Haut. Im Gegenteil, er war blass, fast ein wenig wächsern. Seine Gesichtszüge waren fein und jedermann auf der Strasse blickte unwillkürlich einen kleinen Moment länger zum ihm hin. Tobey jedoch tat meist, als fiele es ihm nicht auf. Er machte sich nichts daraus, dass die Menschen ihn anstarrten. Er war sich noch nicht einmal bewusst, dass sie es taten, weil sie ihn auffallend hübsch fanden. Den Vorteil daraus wusste er allerdings sehr wohl zu ziehen. Für einen Jungen von gerade mal vierzehn Jahren hatte er eine bezaubernde Art, die es ja sogar auch seinem Vater verbot, die angedrohten Schläge in die Tat umzusetzen. Doch wusste er auch, wo die Grenzen lagen, diesen Bonus nicht übergebühr zu strapazieren. Und so machte er sich an diesem Tag auf, die abendliche Ausgangssperre einzuhalten. Natürlich würde Toya mal wieder stinkwütend sein, weil er nicht zur verabredeten Zeit auf dem Dach war, aber so schnell ihre Wut kam, ging sie auch meist wieder. Zumindest in seinem Fall.
Nur heute war der Fang groß gewesen und hatte mehr an Zeit in Anspruch genommen, als es Vater und Sohn lieb war. Die Aussicht aber auf einen glänzenden Verkauf der Fische machte die Mühe erträglich. Und wie er nun mit seinem Hund an der Seite so gemächlich die Strasse entlang trottete, regte sich ein Gefühl ihm. Einen kurzen Moment später hielt er inne. Auch Drago blieb wie angewurzelt stehen. Kein wirklich gutes Zeichen. Alarmiert sah er sich leicht geduckt um. Klarer Fall - es konnte nur die gegnerische Bande der blöden Internatsschüler sein. Im Schutz des immer dunkler werdenden Abendlichtes bot er jedoch keine besonders gute Zielscheibe, sein Glück! Und nun sah er sie auch: James, Beloy, Charlotte und Terence, wie sie langsam trottend ein gutes Stück vor ihm ebenso wie er der Ausgangssperre folgten. Es stand völlig außer Frage, dass wenn sie ihn hier alleine erblicken würden, sie die Gunst der Stunde nutzen würden. Auch, wenn sie dadurch ein paar Minuten später zu Hause waren. Sie würden sich mit Wonne auf ihn stürzen und ihn mit Schüssen aus ihren Zwillen bombardieren. Womöglich sogar irgendwo an einen Baum fesseln, damit er Ärger bekäme, wenn er zu spät war.
Der Kampf gegen die Internatsschüler ging schon über mehrere Generationen und hatte schon fast so etwas wie Tradition. Hier muss allerdings erwähnt werden, dass niemand mehr wirklich wusste, warum dieser Zwist entstanden war. Fakt jedoch war, das beide Parteien einen Heidenspaß daran hatten, sich gegenseitig zu bekriegen. Mal wurde das Maskottchen der Städter, ein grauenvoll hässlicher und zudem uralter, ausgestopfter Iltis mit dem Namen Porgie entführt, und nur nach einem erbitterten Kampf wieder heraus gerückt. Dann wiederum gab es die Rache der Städter, die sich heimlich ins Internat schlichen, um dort die Klassenräume mit Schmierereien und Wasserbomben zu verschönern. James war der aktuelle Anführer der Internatler. Toya, nach hartem internem Kampf und einer Reihe von Diskussionen, die Anführerin der Städter.
Da Toya durch den Grad ihres Onkels Privatlehrer hatte, und nicht die hiesige Schule besuchte, war es allein ihrer Kampflust und auch ihrer Hartnäckigkeit zu verdanken, das sie diesen Rang nun innehatte. Sicherlich, sie genoss sämtlichen Respekt der Stadtkinder, aber sie war nun mal auch ein wenig außen vor. Niemand, außer Tobey, hatte Toya jemals weinen sehen. Tobey und Toya verband eine enge Freundschaft. Zwar wurmte es Tobey, das seine Instinkte in Bezug auf Toya noch nie wirklich funktioniert hatten, aber er mochte das burschikose, schlaksige Mädchen aus gutem Hause sehr.
Toya - was hatte sie ihm nur so wichtiges erzählen wollen, das sie sich so dringend mit ihm noch auf dem Dach treffen wollte? Jäh wurde Tobey aus seinen Gedanken gerissen. Etwas hatte ihn schmerzhaft am linken Arm erwischt. Nur hatte ihn sein Instinkt nicht gewarnt, wie er es für gewöhnlich tat. James und Co waren schon außer Sicht. Er hatte sein Tempo gedrosselt, um nicht doch Gefahr zu laufen den Blödis in die Arme zu fallen. Da, erneut ein Treffer. Dann hörte er ein leises Glucksen. Es kam von oberhalb der Häuser und nun war ihm auch klar, wer ihn da beschoss. Grinsend, die beiden Treffer schon vergessen, blickte er hoch, und sah Toya. Er musste sie nur um Augenblicke auf dem Dach verpasst haben. Nun war es zu spät. Sie winkte zu ihm hinunter. Er winkte zurück, deutete auf die untergehende Sonne und zuckte bedauernd die Schultern. Toya formte mit Daumen und Zeigefinger ein O, was ihm signalisierte, das sie verstanden hatte. Er sah aber auch die Falten auf ihrer Stirn, die ihm verrieten, dass das verpasste Treffen nun morgen das erste Thema zwischen den beiden werden würde. Es brauchte neben Toyas Mimik nicht viele Worte, wenn man sie so gut kannte. Tobey wusste aber auch, das sie schnell dabei war, ihm einen körperlichen Verweis in Form von Knuffern oder leichten Boxhieben zu erteilen, für den Fall, das er sich zu dolle über sie lustig machte. Einmal hatte er bei ihrem typischen Strinkrausziehen im Spaß zu ihr gesagt, wenn sie so weitermache, könne man ihr im Winter die Mütze aufschrauben. Zwar musste Toya sich ein Lachen verkneifen, aber den festen Knuffer in seine Seite ob dieser respektlosen Äußerung, blieb sie ihm nicht schuldig.
Tobey winkte nun noch einmal und machte sich wieder auf den Weg. Er musste sich nun wirklich sputen, wollte er seine Eltern nicht unnötig in Sorge bringen. Wissend, das seine Freundin ihn genau im Visier hatte, tat er, als könne er vor Kraft kaum gehen. Ein paar Minuten später kam er zu Hause an.
Ende Teil 2
Die Nase in die Luft streckend, versuchte sie Witterung aufzunehmen. Aber erfolglos, die beiden waren weg. Der Grashalm, der ihr im Mundwinkel hing, zuckte beim Schnüffeln munter auf und ab. Hier war sie nicht mehr, das wüsste er. Missmutig machte sich der Junge, der aus der Nähe aussah, wie eine Mischung aus Mensch und Elf, auf den Weg hinab. Nur nahm er nicht den Weg, den Toya und Lucious genommen hatten. Behände und eine Spur zu abenteuerlustig sprang er einfach auf das Dach nebenan, und wäre fast ins Straucheln geraten, als es ihm doch gelingen wollte, sich zu fangen um im nächsten Moment geschickt ein Regenfallrohr als Leiter auf dem Weg hinab zu nehmen. Unten angekommen wartete schon Drago, sein Begleiter.
Und so schlenderten sie langsam die Häuser entlang, wissend, dass nun bald die Dunkelheit kommen würde, und man sich nicht erwischen lassen durfte, sich zu solch später Zeit noch draußen aufzuhalten. Seit dem Verschwinden der Kinder gab es eine strikte Ausgangssperre, die besagte, das es allen Kindern und Jugendlichen untersagt war, nach Einbruch der Dunkelheit noch an der frischen Luft zu sein. Zu groß war die Angst der Erwachsenen. Und damit hatten sie recht. Also machte sich Tobey auf den Weg nach Hause.
Die Prügel, die ihm sein Vater angedroht hatte, war allerdings nicht der Grund. Denn es blieb meist nur bei den Drohungen seines Vaters. Seines Vaters? Na ja...eigentlich war Tobias ja nicht sein richtiger Vater. Tobias hatte Tobey kurz nach dessen Geburt gefunden. Eingewickelt in einen großen braunen Filzlappen, aus dem Hüte gemacht wurden, lag die kleine wimmernde Gestalt strampelnd an einer Brücke. Nicht viel hätte gefehlt, und eine nahende Kutsche hätte dem kleinen Bündel den Garaus gemacht. Tobias nahm das kleine, nun deutlich lauter werdende Wesen kurzerhand an sich und machte sich auf den Weg nach Hause.
Dort angekommen legte er es behutsam auf das Bett. Lillith, Tobias Frau, kam hinzu und lugte staunend hinein. Er hatte sofort auch das Herz von Lillith Trimm gewonnen. Tobias hatte er schon während des Nachhauseweges in seinen Bann gezogen, was nicht wirklich verwunderlich war. Fragend blickte sie ihren Mann an und ein kurzer Wortwechsel beider reichte aus, um zu klären, das, für den Fall das kein Familienangehöriger dieses kleinen Knaben zu finden sei, er nun bei ihnen bliebe und als Sohn in die Familie aufgenommen werden solle. Die Verbindung von Tobias und Lilliths war kinderlos geblieben, sehr zum Bedauern beider. Von daher war es beiden nur recht. Und da sowohl Tobias als auch Lillith, zwar guten Herzens aber doch recht einfach und zudem nicht sonderlich gebildet waren, entschieden sie sich, ihm den Namen in Anlehnung des neuen Vaters zu geben:Tobey. Nicht sehr einfallsreich, aber gut. Damit war alles gesagt, und genauso kam es. Bereits zwei Wochen später wurde dem Paar mitgeteilt, das es keinerlei Hinweise über den Verbleib der leiblichen Eltern des Knaben gäbe, und man es gut hieße, wenn Tobey bei den Trimms bliebe.
So wäre allen Seiten vortrefflich gedient. Glücklich über den nun gesicherten Familienzuwachs, zogen die beiden nun den Jungen auf, als wäre er ihr eigener. Im Laufe des Heranwachsens zeigte sich immer deutlicher, das der Junge nicht "normal" war. Mal abgesehen von seinen Gesichtszügen, die eher denen eines Elfs ähnelten, hatte der Junge auch ein besonderes Gespür für die absonderlichsten Begebenheiten, was seinem Vater überaus dienlich war. Tobey konnte manchmal, und auch meist nur kurz vorher, voraussagen, wenn etwas Unvorhergesehenes passierte. Es waren kleine Eingebungen, die so manches Missgeschick verhindern konnten. Wie zum Beispiel das Auftreten eines plötzlichen Windes, der die Fensterläden zu schließen drohte, und dabei eine Vase zerdeppert hätte.
Auch war sie nützlich, wenn er später mit seinem Vater hinausfuhr, um Fische zu fangen. Ganz spontan einer Eingebung folgend sagte Tobey seinem Vater, wo gerade der beste Fang zu machen sei. Anfangs hatte Tobias gedacht, sein Sohn prahle lediglich, und versuchte sich wichtig zu tun. Doch im Laufe der Zeit wusste auch Tobias den Nutzen aus der Gabe seines Knaben zu ziehen, was der Familie den Unterhalt sicherte, und ihnen ermöglichte Tobey auf die Schule zu schicken.
Es waren viele kleine Eigenheiten, die immer wieder daran erinnerten, das Tobey womöglich kein reinrassiger Mensch war, sondern zum Teil dem alten Geschlecht derer aus den Bergen entstammen musste, denen ebensolche Gaben nachgesagt wurden. Die Blitzer. Egal, wie oft und viel seine Haut der Sonne ausgesetzt war, nie hatte der Junge eine vom Wetter gefärbte Haut. Im Gegenteil, er war blass, fast ein wenig wächsern. Seine Gesichtszüge waren fein und jedermann auf der Strasse blickte unwillkürlich einen kleinen Moment länger zum ihm hin. Tobey jedoch tat meist, als fiele es ihm nicht auf. Er machte sich nichts daraus, dass die Menschen ihn anstarrten. Er war sich noch nicht einmal bewusst, dass sie es taten, weil sie ihn auffallend hübsch fanden. Den Vorteil daraus wusste er allerdings sehr wohl zu ziehen. Für einen Jungen von gerade mal vierzehn Jahren hatte er eine bezaubernde Art, die es ja sogar auch seinem Vater verbot, die angedrohten Schläge in die Tat umzusetzen. Doch wusste er auch, wo die Grenzen lagen, diesen Bonus nicht übergebühr zu strapazieren. Und so machte er sich an diesem Tag auf, die abendliche Ausgangssperre einzuhalten. Natürlich würde Toya mal wieder stinkwütend sein, weil er nicht zur verabredeten Zeit auf dem Dach war, aber so schnell ihre Wut kam, ging sie auch meist wieder. Zumindest in seinem Fall.
Nur heute war der Fang groß gewesen und hatte mehr an Zeit in Anspruch genommen, als es Vater und Sohn lieb war. Die Aussicht aber auf einen glänzenden Verkauf der Fische machte die Mühe erträglich. Und wie er nun mit seinem Hund an der Seite so gemächlich die Strasse entlang trottete, regte sich ein Gefühl ihm. Einen kurzen Moment später hielt er inne. Auch Drago blieb wie angewurzelt stehen. Kein wirklich gutes Zeichen. Alarmiert sah er sich leicht geduckt um. Klarer Fall - es konnte nur die gegnerische Bande der blöden Internatsschüler sein. Im Schutz des immer dunkler werdenden Abendlichtes bot er jedoch keine besonders gute Zielscheibe, sein Glück! Und nun sah er sie auch: James, Beloy, Charlotte und Terence, wie sie langsam trottend ein gutes Stück vor ihm ebenso wie er der Ausgangssperre folgten. Es stand völlig außer Frage, dass wenn sie ihn hier alleine erblicken würden, sie die Gunst der Stunde nutzen würden. Auch, wenn sie dadurch ein paar Minuten später zu Hause waren. Sie würden sich mit Wonne auf ihn stürzen und ihn mit Schüssen aus ihren Zwillen bombardieren. Womöglich sogar irgendwo an einen Baum fesseln, damit er Ärger bekäme, wenn er zu spät war.
Der Kampf gegen die Internatsschüler ging schon über mehrere Generationen und hatte schon fast so etwas wie Tradition. Hier muss allerdings erwähnt werden, dass niemand mehr wirklich wusste, warum dieser Zwist entstanden war. Fakt jedoch war, das beide Parteien einen Heidenspaß daran hatten, sich gegenseitig zu bekriegen. Mal wurde das Maskottchen der Städter, ein grauenvoll hässlicher und zudem uralter, ausgestopfter Iltis mit dem Namen Porgie entführt, und nur nach einem erbitterten Kampf wieder heraus gerückt. Dann wiederum gab es die Rache der Städter, die sich heimlich ins Internat schlichen, um dort die Klassenräume mit Schmierereien und Wasserbomben zu verschönern. James war der aktuelle Anführer der Internatler. Toya, nach hartem internem Kampf und einer Reihe von Diskussionen, die Anführerin der Städter.
Da Toya durch den Grad ihres Onkels Privatlehrer hatte, und nicht die hiesige Schule besuchte, war es allein ihrer Kampflust und auch ihrer Hartnäckigkeit zu verdanken, das sie diesen Rang nun innehatte. Sicherlich, sie genoss sämtlichen Respekt der Stadtkinder, aber sie war nun mal auch ein wenig außen vor. Niemand, außer Tobey, hatte Toya jemals weinen sehen. Tobey und Toya verband eine enge Freundschaft. Zwar wurmte es Tobey, das seine Instinkte in Bezug auf Toya noch nie wirklich funktioniert hatten, aber er mochte das burschikose, schlaksige Mädchen aus gutem Hause sehr.
Toya - was hatte sie ihm nur so wichtiges erzählen wollen, das sie sich so dringend mit ihm noch auf dem Dach treffen wollte? Jäh wurde Tobey aus seinen Gedanken gerissen. Etwas hatte ihn schmerzhaft am linken Arm erwischt. Nur hatte ihn sein Instinkt nicht gewarnt, wie er es für gewöhnlich tat. James und Co waren schon außer Sicht. Er hatte sein Tempo gedrosselt, um nicht doch Gefahr zu laufen den Blödis in die Arme zu fallen. Da, erneut ein Treffer. Dann hörte er ein leises Glucksen. Es kam von oberhalb der Häuser und nun war ihm auch klar, wer ihn da beschoss. Grinsend, die beiden Treffer schon vergessen, blickte er hoch, und sah Toya. Er musste sie nur um Augenblicke auf dem Dach verpasst haben. Nun war es zu spät. Sie winkte zu ihm hinunter. Er winkte zurück, deutete auf die untergehende Sonne und zuckte bedauernd die Schultern. Toya formte mit Daumen und Zeigefinger ein O, was ihm signalisierte, das sie verstanden hatte. Er sah aber auch die Falten auf ihrer Stirn, die ihm verrieten, dass das verpasste Treffen nun morgen das erste Thema zwischen den beiden werden würde. Es brauchte neben Toyas Mimik nicht viele Worte, wenn man sie so gut kannte. Tobey wusste aber auch, das sie schnell dabei war, ihm einen körperlichen Verweis in Form von Knuffern oder leichten Boxhieben zu erteilen, für den Fall, das er sich zu dolle über sie lustig machte. Einmal hatte er bei ihrem typischen Strinkrausziehen im Spaß zu ihr gesagt, wenn sie so weitermache, könne man ihr im Winter die Mütze aufschrauben. Zwar musste Toya sich ein Lachen verkneifen, aber den festen Knuffer in seine Seite ob dieser respektlosen Äußerung, blieb sie ihm nicht schuldig.
Tobey winkte nun noch einmal und machte sich wieder auf den Weg. Er musste sich nun wirklich sputen, wollte er seine Eltern nicht unnötig in Sorge bringen. Wissend, das seine Freundin ihn genau im Visier hatte, tat er, als könne er vor Kraft kaum gehen. Ein paar Minuten später kam er zu Hause an.
Ende Teil 2
Wow!
AntwortenLöschenJetzt hab ich mir extra nen Konto hier erstellt, damit ich dir nen Kommentar hinterlassen kann ;-) Das ist wirklich superschön geschrieben, der zweite Teil ist noch besser gelungen als der erste. Finde ich.
Rosen_rot :-)