Freitag, 18. März 2011

Vom Gehen



Wenn Du heute gingest…

…dann würde mein Lächeln Dich begleiten.

Wenn Du wirklich gingest,

käme aber auch eine Träne von mir mit.

Gingest Du fort,

dann würde ein Teil meiner Zuversicht Deinen Gang stärken wollen.

Und ich würde mir etwas wünschen…für Dich.

Der Teil von Dir der ginge,

würde aber auch bleiben… in dem Lächeln,

das bei mir bleibt, wenn ich an Dich denke.

In den Tränen, die mir blieben, immer dann, wenn ich Dich vermisse.

In der Zuversicht, die mir verbleibt, dass wir uns wieder sehen.

Und ich weiß, ich würde mir etwas wünschen…für mich!

Donnerstag, 29. Juli 2010

GE H DANKEN






GE H DANKEN





Müde blickte sie hinauf zum Himmel. Bis auf eine einzige kleine Wolke schien sich das Blau dort oben endlos zu erstrecken. Gleißend hell prangte sie dort oben und gab sich alle Mühe einen kleinen heiteren Trost auf die Frau unter sich zu reflektieren.

Heute blieb dieser Versuch erfolglos.
Einmal mehr.
Der Frühling kam mit all seiner Pracht und Wärme und verwandelte die Welt in ein Blütenmeer. In ihrem Herzen jedoch gab es eine Stelle, an der nichts mehr blühte.

Gabriella saß zwar rein körperlich bei schönstem Wetter auf ihrer Wiese, jedoch in ihrem Inneren ging sie wie so oft durch die Räume.


Nichts half.

Ihre Schritte waren mit den Jahren fest geworden, wenn sie durch diese Räume ging. Anfänglich war sie auf Zehenspitzen nur leise durch sie hindurch gehuscht.
Aus Angst die Atmosphäre dort zu verletzen. Der Duft hier war heil und unberührt…anfangs. Und das machte ihr, verbunden mit der Erinnerung die größten Schmerzen. Hier in ihr war alles noch beim alten, nicht beendet. Auch die Möbel waren tip top und es war richtig heimelig hier drinnen.

An sehr guten Tagen tanzte sie sogar ein kleines Stück auf ihrem Weg….manchmal. Doch sie war stets auf der Hut hier nichts umzuwerfen oder zu verstellen. Hierher zog sie sich meist zurück, wenn der Schmerz sie zu übermannen drohte, sie sich so unendlich einsam fühlte, obschon sie es eigentlich nicht musste….sagten die Freunde, sagte die Familie. Doch was wussten die schon? Loslassen sollte sie, sagten die. Wieder leben, sagten die.



Ja wie denn?“ brüllte sie dann stets und Tränen der Wut und des Schmerzes gingen einher. Dann gab es immer Streit, hässlichen Streit.

Schließlich war man stillschweigend so verblieben, ihr ihren Weg mitsamt auch den Räumen zu lassen.

Früher, als ihr Sohn noch lebte, waren auch schon Räume da. Und nur selten ging sie dorthin, denn es war nicht oft nötig. Dann, wenn sie ihm nah sein wollte, obwohl es gerade nicht ging, ja dann betrat sie diese Räume und führte imaginäre Gespräche mit Kay. Wenn sie ihn dann im Laufe des Tages live sprach, musste sie immer schmunzeln wenn sie die Ähnlichkeit seiner tatsächlichen Reaktion mit ihrer zuvor vorgestellten bemerkte.

Doch im Laufe der letzten Jahre und seit Kays Tod waren diese Räume zunehmend leerer geworden. Kälter. Und es hallte schrecklich in ihnen. Dazu kam die gemeine Angst vor dem Vergessen. Den Geruch seiner Haare, wenn er aus der Sonne kam, seine Gesten, wenn er andere schwindelig diskutierte, diese Grübchen, wenn er wieder den Schalk im Nacken hatte, seine Stimme...oh bitte nein…nur nicht seine Stimme vergessen, bitte!

Jedoch waren einzelne Details mit den Jahren verblasst und die kahl werdenden Zimmer machten ihr Angst…sehr sogar! Sie konnte schier nicht noch mehr Schmerz ertragen. Und somit auch die Trauer um den Verlust des geliebten Kindes nicht leben. Deshalb waren neue Räume gekommen. Räume der Erinnerung, des Festhaltens.



Nein, nichts half.




Die tägliche Flucht vor der Trauer und dem Schmerz ließ sie keinen Frieden finden. Erneut blickte sie hinauf zur Wolke und verließ somit ihr Inneres. Ihre Beine mussten eingeschlafen sein, sie kribbelten.

Auf ihrer Hand krabbelte vergnügt ein kleiner Käfer hinauf zu ihr. Ganz emsig erklomm er ihren Arm und tastete mit seinen winzigen Fühlern ihre Haut ab…und kitzelte sie. Sie musste lächeln. Nein…sie konnte!

Sie sah ihren Sohn im Alter von drei Jahren, wie er ebenfalls einen Käfer auf seiner Haut hatte und ihn misstrauisch beäugte… Dann die Schultüte später, mit Marienkäfer drauf… Sie sah Kay als jungen herangewachsenen Mann und Strubbelmähne, wie er stolz mit den Führerschein vor ihrer Nase wedelte…. Und mit einem Mal und vollem Anlauf jagten Millionen unterschiedlich großer Erinnerungsfetzen durch sie hindurch und peinigten ihre gequälte Seele. Tränen rannen ihr über das Gesicht.
Es tat so weh…sie wollte ihn doch nur noch ein einziges Mal fühlen, berühren….küssen.
Nur einen Kuss noch.....flehte sie.


Stille folgte.


Dann war er da….so völlig unkontrolliert und ohne jedwede Vorwarnung war durch diese verspielte kleine Geste der Moment gekommen, in dem sie die Kontrolle über sich verlor und der Schmerz kam….der echte, tiefe Schmerz…ganz ohne zu stocken.
Ohnmächtig und schutzlos folgte sie ihm in die Tiefe und mit der Wucht einer Explosion, so als ob es gar nicht anders möglich wäre, stand sie in einem neuen Raum.....dem Raum der Hoffnung.



Und ja, das half!


Sie blickte sehnsüchtig hinein, noch völlig benommen vom gerade Gefühlten und mit Angst vor dem Moment, der Schmerz käme wieder, neu und ausgeruht. Sicher würde er wieder kommen…aber nun da sie ihm in aller Gänze erlaubt hatte von ihr Besitz zu ergreifen, war er ihr bekannt.
Nun war sie gewappnet… Sie sah zum Käfer, wie er wacker seine Flügel aufschlug und sich zum Start bereit machte.
Dann flog er….in den Frühling. Sie stand auf, schüttelte ihre Beine aus und ging…..die Heilung hatte begonnen.




Ich hab das Ganze natürlich von hier oben beobachtet. Als der Käfer in meine Richtung flog, hab ich ihm gewunken und musste grinsen.
Er hat gute Dienste geleistet!
Dann habe ich meiner Mutter den Kuss gegeben, den sie so ersehnte…in Gedanken…und mich bedankt, dass sie mich gehen ließ…denn ich weiß, dass ich trotz allem da sein werde…
...und zwar in keinem anderen Raum als dem, welcher Herz heißt……

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Mittwoch, 25. März 2009

DÄMON (GIB MICH FREI)

Ich bin zwar etwas wunderlich doch ein Wunderkind bin ich nicht
Nein nein ich bin zu alt um ein Wunderkind zu sein
So bleibt mir nichts als der Glaube daran
Dass mein Kopf meinem Herz auch folgen kann
Für die Kunst oder Liebe Liebe oder Kunst die Kunst zu lieben

Gib mich frei
Dämon gib mich frei
Gib mich frei
Dämon gib mich frei

Ein Dämon hinter allen Gedanken versperrt mir den Weg zu mir selbst zu kommen
Den alten Wegen verhaftet dich mich immer nur im Kreise führen
So bleibt mir nichts als der Glaube daran
Dass mein Kopf meinem Herzen auch folgen kann
Für die Kunst oder die Liebe Liebe oder Kunst die Kunst zu lieben


Gib mich frei
Dämon gib mich frei
Gib mich frei
Dämon gib mich frei

Und auch die Welt ist alt und wunderlich und es scheint ihre Wunden heilen nicht
Krieg und Frieden wie zum Hohn wechseln sich ab tausende Jahre schon

So bleibt uns nichts als Vertrauen darin
Dass wir Verstand und herz in einem sind
Für die Kunst oder die Liebe Liebe oder Kunst die Kunst zu lieben

Gib mich frei
Dämon gib mich frei
Gib mich frei
Dämon gib mich frei

Donnerstag, 29. Januar 2009

Nachhalltig...





Ich habe ein Echo in meiner Brust.
Es widerhallt das Klopfen meines Herzens.
Nachhalltig.

Manchmal, wenn ich ganz ruhig da liege, merke ich, wie das Echo einen Weg nach draussen sucht.
Es ist, als ob es schauen möchte, wer mein Herz so schnell schlagen lässt.

Bleib bei mir, Echo!
Wenn Du da bist, ist es, als ob sein Herz bei mir ist...


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Drei Küsse...


Der erste Kuss war wie ein Abenteuer.
Süss, neu, vertraut und auch gewürzt mit ganz viel Gefühl.

Der zweite Kuss ist immer der Kuss, wenn Du mich begrüsst und vor mir stehst.

Der dritte Kuss....Kuss?

Mittwoch, 21. Januar 2009


Kleine Seen
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Vor 'nem halben Jahr kamst du durch diese Tür
und auf einmal war es da:
das zärtliche Gefühl
eine Ameisenarmee
rannte über meine Haut
deine Gesten und dein Lachen
war'n mir irgendwie vertraut

Mal bist du mir ganz nah
mal bist du auf der Flucht
mal steh ich auf dem Berg
mal fall ich in die Schlucht
ich hab' dir so viel zu sagen
und wenn
du dann vor mir stehst
find ich alles so daneben
doch ich hoffe
du verstehst:

Sie sind dir - meine Tränen
alles
was ich hab
Kleine Seen...
spring doch rein !
Du wirst sehen
das Wasser ist nicht tief.
Du kannst drin stehen

Manchmal nehm ich dich behutsam in den Arm
es trifft mich
wenn du weinst
und freut mich wenn du lachst
doch ich will dich nicht besitzen
will dich
nicht für mich allein
denn zur Liebe ghört Freiheit
und das ist es
was ich mein

Sie sind dir - meine Tränen
alles
was ich hab
Kleine Seen...
spring doch rein !
Du wirst sehen
das Wasser ist nicht tief.
Du kannst drin stehen


Mittwoch, 14. Januar 2009

Die Glasmurmeln 5


Nun im Schutze der Dunkelheit, und zusätzlich abgeschirmt im Haus von Kamylla Dorn, nahm das unheimliche Wesen seine ursprüngliche Gestalt wieder an. Sich dankbar reckend betrachtete sie entzückt, wie aus der Gestalt Lydias nun die von Nogollgh wurde. Sie war den Körper Lydias so leid und nahm ihn nur widerwillig an. Doch wollte sie erfolgreich zum Ziel kommen, musste dieser Schritt sein. Wie sie nun da stand, den Körper mit Warzen und Flechten übersäht, spuckte sie erleichtert auf den Boden. Nogollghs Spucke hatte eine blaue Farbe, die sich jedoch auch bisweilen änderte, besonders, wenn sie gezwungen war, sich einen Tag lang von Blindschleichen und Käfern zu ernähren.


Das war zwar nicht üblich für eine Quox, aber sie wusste sich zu mäßigen. Auf ihren nackten, zehenlosen Füssen schlich sie nun hinaus, um zu jagen. Sie hatte Hunger. Ein Fuchs käme ihr da gerade recht. Sie liebte das rohe Fleisch dieses wendigen geschickten Jägers, und es bereitete ihr keine große Mühe eines davon auszuspüren und zu erlegen. Tollwütige Füchse waren eine Delikatesse für sie, deren Fleisch hatte eine ganz besondere Würze. Und heute sollte das Glück an ihrer Seite sein: Nogollgh witterte ganz in der Nähe eines dieser scheuen Tiere. Ihr Jagdtrieb war geweckt, ihre Instinkte auf das Höchste gespitzt.


Ein kurzes, sehr schnelles Treiben und schon hatte sie eine junge Füchsin erlegt, und machte sich gierig über ihr warmes, rohes Fleisch her. Zufrieden schmatzend ging sie leicht geduckt durch den Wald und genoss es, wieder in ihrem richtigen Körper zu sein. Bei der Hatz hatte sie ein paar Schrammen und blutige Kratzer abbekommen, die ihr aber nichts ausmachten. An Schmerz war sie gewöhnt, ebenso wie an die Einsamkeit. Morgen früh schon würde sie wieder in die Haut der lieblichen, wohlerzogenen Lydia schlüpfen. Und nur der Wille an ihr Ziel zu kommen, manipulierte sie soweit zu gehen, den für sie abstoßenden Körper dazu zu benutzen. Um an Toya heran zu kommen, war ihr dieses Mittel recht. Der Gedanke an das Mädchen machte Nogollgh so fiebrig, wie sie schon lange nichts mehr dergleichen hatte spüren können. Bereits vor sehr langer Zeit schon hatte sie die zunächst noch weit entfernte Gegenwart Toyas spüren können. Sie lebte damals zurückgezogen in einer Höhle auf einem Berg. Hierher verirrte sich nur ab und zu mal einer, der von den Menschen als Blitzer bezeichnet wurde. Doch sie nahmen keinerlei Notiz von ihr, was Nogollgh einerseits beruhigte, andererseits jedoch auch wütend machte. Dieses arrogante Volk, hatte weder Angst vor ihr, noch kam ihnen in den Sinn, sie auch nur ansatzweise zu beachten. Blitzer waren von Natur aus Wesen, die man nicht überrumpeln konnte, das wusste sie. Sie hatten diese Vorahnungen, die wie ein Frühwarnsystem jegliche Gefahr schon lange im Voraus ankündigte.


Sie waren ihr noch mehr zuwider, als diese Menschen, denn Blitzer waren allesamt schöne, leuchtende Wesen, die sich stets tapfer und stark verhielten. Nogollgh ekelte es! Das Signal, das sie jedoch von Toya empfing, war fast noch mächtiger. Erst ganz leicht, wie ein Hauch, hatte sie die weit entfernte Anwesenheit des Mädchens wahrgenommen. Sie versuchte es zu ignorieren, sich zu beschäftigen, doch all ihre Mühe war vergebens - sie musste der Witterung folgen, so war es bestimmt. Und so machte sich Nogollgh auf, der Spur des Mädchens zu folgen. Ja, es war weit weg, aber nicht unerreichbar für sie. Toya war der Sender, und sie war der Empfänger. Es dauerte fast zehn Monate, bis sie sich einer Stadt so weit genähert hatte, um sicher zu sein, das das Kind hier lebte. Weitere sechs Monate hatte es gedauert, einen Plan auszuhecken, um in ihre Nähe gelangen zu können. Über ein weiteres Jahr lang, spionierte sie die Gewohnheiten Toyas geduldig aus. Wo sie lebte, sich aufhielt, mit wem sie zu tun hatte und so weiter. Einmal sogar war sie fast Lucious begegnet, konnte sich aber rechtzeitig zurückziehen, denn sie wollte nicht Gefahr laufen, dieses Tier aus reiner Gewohnheit heraus zu töten. Kurzum, sie kannte nach einem Jahr so viele Details, das sie mit der Umsetzung ihres Planes beginnen konnte. Doch nun galt es, diese Frau und ihr Kind in Oswidge unschädlich zu machen. Nogollgh nutzte einen günstigen Augenblick und vergiftete Ella und Lydia Dorn im Schlaf. Abwechselnd deren Gestalten annehmend, machte sie sich nun daran ihren Plan zu vervollkommnen. Sie musste vorsichtig sein und mit ihren Kräften haushalten, denn es schwächte sie enorm, diese Gestaltwechsel. Nun hatte sie nur noch Kamylla Dorn zu beseitigen, denn es stand außer Frage, das sie auf Dauer in Lydias Körper nicht bei der alten Frau leben konnte, ohne aufzufallen. Außerdem mochte sie es nicht, sich eine Behausung mit jemandem zu teilen. Und schon gleich gar nicht mit einem Menschen!


Kamylla Dorn starb recht unspektakulär in Nogollghs Augen. Eines Tages, als diese am nahegelegenen Bach ihre Wäsche wusch, schlich sie sich an die betagte Frau und legte einen Skorpion in den Korb. Ein Griff hinein, ein Stich des abwehrenden Tieres, und die Alte war verloren. Vergnügt sah sie ihr beim Sterben zu, und verscharrte sie nur wenig später im Wald, ganz in der Nähe ihres Hauses. All das war Genugtuung für sie, denn schließlich überwandt sie ja auch ihren Ekel vor den Menschen. Nun konnte sie ungehindert als Lydia im Haus von Kamylla Dorn leben. Und für den doch recht unwahrscheinlichen Fall, das ein Besucher sich näherte, konnte sie zur Not auch wieder die Gestalt der Alten annehmen, dafür hatte sie vorsorglich eine Haarsträhne aufgehoben. Genauso hatte sie es ja mit Ella und deren Tochter bereits gemacht. Wenn sie nur die Gestalt einer einzelnen Person annahm, bekam es ihr wesentlich besser, als diese kräftezehrenden, doch notwendigen Wechsel in mehrere Personen. Nogollgh machte sich nun wieder auf den Weg zurück in ihre neue Behausung. Dort galt es noch einige Veränderungen vorzunehmen, damit sie sich halbwegs wohlfühlen konnte ohne jedoch aufzufallen. Das Haus von Kamylla war klein, aber in überaus gutem, gepflegtem Zustand. Widerlich. Kein Geruch von Aas, oder gar schimmeligem, verdorbenem Wasser.


Im Haus angekommen, machte sie sich gleich daran, es für sich wohnlich zu machen, und zischte dabei immer wieder in ihrer Sprache, wie geschickt sie es doch alles angestellt hatte. Nogollgh war begeistert, ihre Laune auf dem Höhepunkt, und sie sabberte vor Lust bläuliche Pfützen. Der Triumph war nun fast zum Greifen nah, bald schon würde sie Toya mit Hilfe von Lydia so umgarnt haben, dass diese ihr das Geheimnis der Glasmurmeln verriet.

Sie frohlockte bei dem Gedanken daran, wie leicht es gewesen war, das Säckchen mit den Murmeln in ihr Zimmer zu schmuggeln. Und dann war es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Fluch, der sie schon seit fast zweihundert Jahren plagte, von ihr abfallen würde. Auferlegt wurde er ihr von einer der Hexen von Dollmay, Sybyl, die noch über ihren Tod hinaus, über Nogollgh verächtlich zu lachen schien. Sie war damals noch eine recht junge und unerfahrene Quox gewesen. Sicher, sie war aufgefallen durch ihren Listenreichtum, aber auch durch ihre Überheblichkeit.


Nogollgh war überaus eitel und machtgierig, und zu diesem Zeitpunkt noch keine Einzelgängerin. Quoxe lebten immer in Gruppen von circa zwanzig beisammen. Sie lebten davon, dem meistbietenden ihre gestaltwandlerische Fähigkeit zu verkaufen. Sei es, um Kriege zu gewinnen, der Frau eines Feindes ein Kuckucksei ins Nest zu legen oder sich anders auf diese Weise einen Vorteil verschaffen zu können. Doch eines Tages kam es, dass sie der Leichtsinn packte, und sie versuchte Sybyl, dem damaligen Oberhaupt der Hexen von Dollmay, zu betrügen. Ein fataler Fehler, der dazu geführt hatte, das Nogollgh nun schon viele Jahre abgeschieden, seelisch verkrüppelt auf ihre Erlösung wartete. Um diesen Fluch zu brechen, musste sie sich nun schon so viele Jahre quälen. Sybyl war bekannt für ihre grausamen und harten Strafen, die sie an denen exerzierte, die versuchten, sie zu betrügen.


Und so belegte sie Nogollgh mit diesem Fluch, der Anfangs unergründlich schien. Nun jedoch war ein Ende in Sicht, das spürte Nogollgh, und legte sich zufrieden zum Schlafen auf den Steinboden der alten Dorn. Kurze Zeit später schon zuckten ihre dünnen, behaarten Beine im Schlaf.


Der Morgen kam, und Toya stieg fröhlich aus dem Bett und stürmte nach der üblichen Katzenwäsche nach unten, um Onkel Paul zu begrüßen. Dieser saß in seinem Arbeitszimmer und las in Unterlagen. Schon heute Abend würden einige Mitglieder des Ministeriums eintreffen, um die neue Lage im Fall der verschwundenen Kinder zu besprechen. Toya fiel dem Onkel in die Arme und setzte sich leicht auf dessen Schoß.

Behutsam nahm Moldron das Mädchen, und setzte sie lächelnd auf den Stuhl neben sich. Das Mädchen war ihm sehr ans Herz gewachsen in den letzten Jahren, und auch, wenn er sie oft tadelte, so war er insgeheim mächtig stolz über den Willen und das gute Herz Toyas. Lucious wollte es Toya gleichtun und machte einen eleganten Satz auf Pauls Schreibtisch, wurde jedoch energisch von ihm auf den Boden hinab befördert, indem er mit einer unwirschen Handbewegung drohte. Er duldete den Kater nur, weil er ihn als Begleiter seiner Nichte betrachtete. Für ihn war es nicht normal, ein Haustier zu halten. Doch aus irgendeinem Grund hatten der Kater und seine Nichte zusammen gefunden, und damit war es auch für Paul in Ordnung. Er stand auf und ging zu seinem Schrank. Aus ihm holte er ein kleines Päckchen, das für Toya bestimmt war. Enthalten waren eine Wünschelrute, ein goldener Ring und eine Stola aus dem weichsten Fell, das Toya jemals in Händen hatte. Überglücklich über die, wie sie dachte weiteren Geschenke, strahlte sie ihren Onkel an, und bedankte sich mit stürmischen Küssen in sein Gesicht.


Paul vergaß für einen kurzen Moment seinen Ärger über das nicht Voranschreiten seiner Suche und schickte sie lächelnd auf ihr Zimmer, damit sie sich anzog, um daraufhin mit ihm und Anabelle gemeinsam zu frühstücken. Danach wurde es für Toya auch schon Zeit, ihren Unterricht zu nehmen, und vergnügt trottete sie nach oben, um ihre Schulsachen zu holen. Nur wenig später war sie auch schon am angrenzenden Gebäude angelangt. Mr. Jermain öffnete ihr die Tür und folgte ihr in den Unterrichtsraum, indem eine saubere, wohlduftende und ebenso gut frisierte Lydia schon auf Toya wartete. Toya grinste das Mädchen entschuldigend an, und gab ihr die Hand. Was von Toya nicht nur als Begrüßung, sondern auch als eine gewisse Art Entschuldigung gemeint war, wurde milde Lächelnd von dem Mädchen angenommen. Toya setzte sich auf den Platz neben Lydia und der Unterricht begann...